Kolumbien parte tres – Touri vs. Hippie und ein Abschiedsbrief

By 22. Mai 2018 Easy Travel, Lifestyle, Travel

Wilde Natur und coole Städte sind auf unserer ToDo-Liste nun abgehakt. Jetzt haben wir uns Sonne satt und karibisches Flair verdient. Mit einem ordentlichen Hangover im Bordgepäck ging’s für uns von Medellín aus mit dem Flieger nach Cartagena – laut Internet DIE schönste Stadt der kolumbischen Karibikküste. Ihr könnt euch wahrscheinlich schon vorstellen, wie unser Fazit dazu ausfällt …

Teil 1: Kolumbien – oder: die heiße Affäre

Teil 2: Kolumbien parte dos – Natur pur im Kaffeedreieck und die Netflix Fame City Medellín

Hach, wie gern würden wir jetzt schreiben, wie wunderschön die Gassen, die Piratenmauern und die bunten Kolonialgebäude von Cartagena sind. Aber dieses Mal holen wir erst gar nicht aus, sondern kommen gleich auf den Punkt: Ganz ehrlich, diesen Abstecher könnt ihr euch getrost sparen! Keine 20 Sekunden wird man in Ruhe gelassen, von überall her hagelt es monoton, aber lautstark vorgetragene „Aqua-Aqua“-Rufe. Wie Folter bohren sie sich mit der Zeit in deinen Schädel.

 

Das Problem: kein nettes Fragen, keine Höflichkeit, nichts. Stattdessen kommt es einem mit der Zeit so vor, als spiele man in einem Ableger von The Walking Dead mit – so ausdruckslos, so kalt und gefühlslos kommen diese Aqua-Verkäufer einem vor. Nicht falsch verstehen: Solche Straßenverkäufer machen gewiss auch den Reiz Lateinamerikas aus, wir wollen sie nicht missen und außerdem mag’s hochnäsig klingen, als vermeintlich reicher Westeuropäer über diese armen Leute herzuziehen. Alles wahr, alles richtig. Aber wirklich jetzt, versetzt euch bitte mal in folgende Situation:

Wir stehen an der Piratenmauer, schauen auf die Skyline der Hotelketten und das weite Meer. Und trinken ein Bier. Ein Typ kommt an und will uns Bier verkaufen. Ich zeige ihm meine gelbe 0,5-Liter-Dose „Aguila“ und nicke dankend ab. Keine zehn Sekunden später kommt er wieder her, er war nicht mal wirklich weg, und fragt wieder. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Und wieder. (Nein, die Tastatur ist gerade nicht hängengeblieben!) Das ist einfach doch noch nervig, oder?

Zurück ins Hostel: Das war läßig, Hängematten auf dem Dach, eine Flasche Rum und Cola aus dem Supermarkt, happy Hangover. Aber es ist halt sehr touristisch in Cartagena, fast schon dieses unangenehme Ballermann Flair. So was von gar nichts für uns! Keine Sorge, es gibt Alternativen! Einfach den Text bis zum Ende lesen …

Achtung, Überfall! Jetzt verlieren wir nicht nur Geld, sondern gleich das Leben

Strand? Si, claro! Also ab ins Taxi und auf zum Bocagrande! Zwischen den Hochhäusern fahren wir also Richtung Beach, der Taxifahrer wird schon wissen, wo es lang geht. Ein schmale Gasse zwischen zwei Megahotels, ah, da vorne ist ja schon das Meeeee … SCHOCK! Wie in The Walking Dead (wieder mal) rennen plötzlich von links und rechts mindestens zehn schwarze, 200 Kilo schwere Typen auf unser Taxi los, schlagen gegen die Scheiben, schreien irgendwas. So, das war’s jetzt für uns, macht’s gut, ihr Lieben daheim, wir hatten ein schönes Leben. Der Taxifahrer stellt alle Knöpfe nach unten, brüllt auch irgendwas auf Spanisch, keiner weiß, was los ist. Vielleicht sind wir ja mitten in eine Filmlocation reingefahren? Ne, schön wär’s …

Das Ende vom Lied: Wir sind ausgestiegen, 15 Menschen faseln in ihrer Landessprache durcheinander, ich frage mich immer, wo die Knarren oder Messer sind. Da zieht der eine plötzlich einen Zettel aus der Tasche, darauf ein Bild von einem Boot und einem Strand. So langsam dämmert es uns: Wir sollen doch die Bootsfahrt zu einem abgelegenen, wunderschönen Strand bei ihnen buchen, hier ist es doch völlig überlaufen. So war’s dann auch. Erstmal sacken lassen. Man muss sich das mal vorstellen und nochmals durchlesen, ich weiß, ich neige zu leichten Übertreibungen, aber das hier ist die nackte Wahrheit. So verkaufen also die Kolumbianer ihre Bootsfahrten! Man fragt sich dann schon, warum es manche Leute zu was bringen, andere dagegen nicht. Gesunder Menschenverstand, der Verstand im Allgemeinen, war bei unseren „Walker“ Freunden wohl fehl am Platz. Schon eine krasse Nummer.

 

Wo wir schon bei fehlendem Verstand sind: Wir haben die Tour natürlich trotzdem gebucht. Es war schrecklich, Abzocke pur, bezahlen mussten wir für einen Platz unter einem Sonnenschirm (haben wir natürlich nicht gemacht, wollten ja knackig braun werden), immer einen mindestens 300 Kilo Aufpasser im Nacken, Karibik geht anders. Also, um das zu verdeutlichen: Unser freundlicher Guide wich uns wirklich nicht von der Seite, er machte uns klar, wollten wir am Strand was kaufen – nur über ihn. Abzocke! Deshalb nochmals, ihr tut euch keinen Gefallen, Cartagena zu besuchen.

Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön, ja da kann man so viel neue interessante Dinge sehn.

Also, ciao Cartagena, auf Nimmerwiedersehen, ab nach Santa Marta. Wieder stand eine Busfahrt an. Wer jetzt denkt, man fährt durch wilde Natur, am glitzernden Meer entlang, eine Sommerprise um die Nase, liegt falsch. Landschaftlich sehr fad und alles sehr, sehr dreckig. Man sieht Pferde, die sich in den Müllbergen irgendwas zu futtern suchen. Sehr arm sieht es hier auch aus, wenn man aus dem Fenster schaut, überlegt man sich schon oft, wie hart das Leben hier wohl ist, die Baracken sind schnell zusammengeschustert, überall Pfützen (Moskitos), Klimaanlagen sind hier wohl Fehl am Platz, usw.. Wir luxusverwöhnten Touris feiern in Techno Clubs wilde Partys, nächtigen auch mal in Fünf-Sterne Hotels, lassen es uns gut gehen und schauen nicht ums Geld. Ist genau dieses Problem das Problem für uns, wenn wir eben ein Aqua kaufen sollen, auch wenn wir schon eins haben? Verzwickt!

 

Tayrona National Park versus Infinity Pool

Hallo Santa Marta! Von Waffen- und Drogenschmuggler Hochburg war auf diversen Reiseblogs was zu lesen, viele Nutten und Drogendealer, grade weil auch Venezuela nicht mehr so weit entfernt ist. Aber keine Sorge, Santa Marta ist super, wir hatten uns mal wieder ein Hotel verdient, mitten in der City, mit Infinity Pool, herrlich. Abends in die berühmte Carrera 3, ein paar Happy Hour Drinks (sehr gute!), danach vorzügliches Essen im Restaurant oder auch an den Straßenimbissen. Supercool! Wofür ist Santa Marta noch bekannt? Richtig! Als Ausgangspunkt zum Parque Nacional Natural Tayrona! Gibt man Kolumbien + Tayrona auf Google ein und schaut sich die Bilder an, weiß man, da sollte man hin. Liest man sich dann noch ein, erfährt man, dass man erstmal gute 2,5 Stunden durch den Urwald laufen muss, Autos verboten. Cool, machen wir! Nur Stumpe jammerte mal wieder.

 

So, alles perfekt, mit dem Bus in einer Stunde direkt vor den Park, aber halt mal, was machen denn alle anderen Besucher, die sprühen sich mit Moskitospray ein. Gottseidank habe ich ja das teure in Deutschland gekauft – es liegt im Hotel. Eine Stunde entfernt. Genau für diesen Zweck habe ich es gekauft, bisher noch nie gebraucht. Klasse. Verstand und so. Also kaufen wir uns halt zusammen hier nochmal eins, mit sogar noch viel mehr Deet wie in unserem. Verstochen werden wir natürlich trotzdem. Also, 2,5 Stunden durch den Dschungel, gefühlte 45 Grad, schon hart. Aber machbar. Wir entdecken Ameisenstraßen (super, diese fleißigen Kerlchen!), Babyaffen spielen über uns in den Bäumen, die Brüllaffen geben ein Konzert, cool! An einem Strandabschnitt schaue ich raus aufs Meer, wen entdecke ich da? Den Leon! Der cooles Dude aus Bogota! Nach dem herzlichen Wiedersehen laufen wir noch eine halbe Stunde, bis wir endlich am Cabo San Juan ankommen. Schön hier! Nur Marci und Nikki schwärmen von den Stränden Mexicos, die wären noch schöner. Schön ist es wirklich, aber ich bin halt kein Strandtyp, viel zu schnell wird mir langweilig. Uns allen. Wir gehen dann nach einem Nickerchen auch wieder zurück, direkt rein in unseren Infinity Pool in Santa Marta. Mit einem Piña Colada in der Hand.

 

Endlich im Hippie-Modus

So langsam neigt sich der Urlaub dem Ende zu, einen Stop habe ich noch auf der ultimativen Reiseliste: Palomino. Auch hier liest man überall von einem Geheimtipp. Ja, ist er wirklich. Endlich ein Ort, an dem wir uns alle sofort unglaublich wohl fühlen. Noch während wir im Hostel eingecheckt haben, haben wir um eine Nacht verlängert. Nach einem Billardturnier laufen wir zwei Minuten zum Strand und werfen uns im Sonnenuntergang gegen die Wellen – traumhaft, der Geruch von Freiheit.

Am nächsten Tag machen wir etwas herrlich Langweiliges: River Tubing. Mit Motorrädern, natürlich ohne Helm, einem Reifen unterm Arm, geht es im Wettrennen etwa 20 Minuten an Coca-Farmen vorbei in den Dschungel, dann nochmal 20 Minuten Fußmarsch, bis wir den Fluss erreichen. Hier lassen wir uns gute zwei Stunden einfach nur langsam treiben, nix mehr. Wow ist das entspannend, man fühlt sich wie im Jurassic Park. am Ufer ein Leguan, in den Bäumen über uns Affen, keine anderen Menschen. Echt unfassbar chillig. Man kommt dann irgendwann direkt am Meer raus, läuft ein paar Meter zurück zum Hostel und gibt die Reifen ab. Tolles Erlebnis war das!

Ja, was machen wir denn abends in so einem kleinen Ort? Na klar, ein Underground Rave unter der Palomino Brücke! Wir hatten irgendwo einen Flyer gesehen und entschieden hinzugehen. Mit ein paar anderen, die wir kennengelernt hatten, ging’s dann mit ein paar Tequillas & Coronas zur Brücke. Ein paar Einheimische hatten ein Soundsystem aufgebaut und fanden es natürlich obercool, dass wir kamen und Party gemacht haben. Geil hier! Leider ging es am nächsten Tag dann zurück nach Santa Marta, direkt an den Flughafen, dann wieder mal ein Inlandsflug zurück zu den Anfängen, Bogota. Natürlich wieder in unser Hostel vom ersten Tag. Dann noch ein Besuch auf dem Monserrate, der hervorragend als Aussichtsplattform für ein Foto von Bogota-von-oben eignet. Hach, wie gern wären wir jetzt nochmals in Palomino.

 

Mach’s gut Kolumbien, take care!

Ja, aber das war’s! Abends ging es für uns dann wieder zurück nach Deutschland. Adios, Kolumbien, die Liebe des Lebens bist du zwar nicht, aber die Zeit war aufregend und wunderschön, du hast uns viel Neues gezeigt und wir werden oft an dich denken, ja, wir werden dich auch vermissen. Wir hoffen dir geht’s gut und du gehst deinen Weg. Pass gut auf dich auf! Mit uns hat es nicht geklappt, aber es war schön dich kennenzulernen. Wir hoffen nur das Beste für dich und glauben, dass du deinen Weg gehst, der Tourismus wird in den nächsten Jahren sicher weiter ansteigen, wir hoffen nur, dass dieser Boom in Orten wie zum Beispiel Cartagena, nicht noch mehr ausufert. Da musst du dran arbeiten! Ein letzter Kuss, mach es gut!

An die fleißigen Leser: Auch wenn wir hier in den Berichten nicht immer überschwänglich alles in den Himmel gelobt haben, so hatten wir doch unser Abenteuer. Gerade die Großstädte waren echt mal eine Nummer. Aber wir sind Kalifornien gewohnt und so begeistert davon, dass andere es eben schwer haben. Wir hoffen natürlich, immer wieder solche Orte und Länder kennenzulernen, immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Trotzdem steht im Herbst erst mal wieder ein Trip an die Westcoast an. Fazit und die besten Tipps für Kolumbien:

• Habt keine Angst, weder vor Drogenkartellen oder Überfällen oder sonst was
• Packt nicht zu viel Survival Sachen ein, Kolumbien ist weiter als man denkt, das Internet ist überall besser als in Deutschland
• Spart euch Guatape und Cartagena (believe us!)
• Bleibt eine Weile in Palomino und geht zum River Tubing
• Wenn ihr die Wahl habt, zu laufen oder zu reiten: Sattelt die Pferde!
• Feuchtes Toilettenpapier mitnehmen (nochmals Danke an Brenner!)

 

 

 

 

 

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