Kolumbien parte dos – Natur pur im Kaffeedreieck und die Netflix Fame City Medellín

By 17. Mai 2018 Easy Travel, Lifestyle, Travel

So, Bogota wäre fürs Erste geschafft. Als erfahrener Reiseplaner hatte ich vor dem Abflug natürlich das Netz durchforstet und die Puzzleteile unseres Trips clever zusammengesetzt: Natur pur im Kaffeedreieck, Netflix Fame City Medellín und dann ab in die Karibik. So sieht man in zwei Wochen dann doch die wichtigsten Orte – zumindest, wenn man dem Internet glaubt. Los geht die Reise!

Hier gehts zum ersten Teil der Reise

Unsere nächste Station: die Kaffeeregion rund um Salento. Der Grund: das Cocora Valley. „Ein mystischer Nebelwald und ein paar Wachspalmen machen dieses Tal zu einer der abwechslungsreichsten und beliebtesten Wanderungen in ganz Kolumbien.“ So steht das jedenfalls in jedem Reiseblog – da sind Zweifel grundsätzlich angebracht, oder? Aber trotzdem: Wir sind natürlich gespannt wie die Riemen unserer viel zu heftig gepackten Rucksäcke. Mit dem Flugzeug geht’s für kleines Geld nach Armenia, dort angekommen buchen wir uns einen privaten Minibus, der uns in anderthalb Stunden nach Salento bringen soll. Der Minibus? In Wahrheit ein stinknormales Auto, also wird gequetscht, was das Zeug hält: fünf Gringos mit viel zu viel Gepäck – plus Fahrer.

Endlich am Ziel angekommen, gehen wir auf den Marktplatz und wollen etwas essen. Nach diesem Fraß in Bogota sind wir natürlich kritisch, aber werden eines Besseren belehrt. Gegrillte Dorade mit Knoblauch und Limette – mit das Beste, was ich je gegessen habe! Hey Kolumbien, na also, geht doch! Viel zu schnell haben wir aber viel zu viele Club Colombias und Aguilas drin und entschließen uns, auch mal das landestypische Tejo zu spielen, das ist eine moderne Version des südamerikanischen Indianerspieles namens Turmequé. Man wirft einen Stein durch eine Halle und versucht irgendwas zum Explodieren zu bekommen oder so. Richtig Spaß macht das nicht und stinken tut’s auch, wenn man sein Ziel trifft – nach den zerfetzten Schwarzpulvertaschen. Zeit fürs Bett, denn in der Früh steht das Valley an.

 

Oh, wie wunderschön du bist, Südtirol!

Mit „Willys“ (Jeeps) starten wir vom Marktplatz aus in Richtung des berühmten Palmen-Parks. Nikki uns ich stehen hinten drauf und die nächste halbe Stunde fühlen wir uns wie im Videospiel „Far Cry“ oder dem All-Time-Favorite-Movie „Rambo“. Das wird sicher cool heute, voller Energie wollen wir also den zirka stündigen Rundweg in Angriff nehmen. Da wir nicht mal wissen, wohin wir genau laufen müssen, fragen wir einfach mal nach und erfahren, dass der Rundweg zur Zeit geschlossen ist, da sich im Dschungel irgendwelche Paramilitärs aufhalten – zu gefährlich. Das darf doch nicht wahr sein. Also erstmal rechts abbiegen zu den Kolibris.

Weiter brodelt die kolumbianische Gerüchteküche: An diesem Eingang wird uns nun erzählt, ein paar Pumas wären im Wald und hätten schon ein paar Touris verspeist. So, so. Jedenfalls wäre auch dieser Weg gesperrt. Ja, was denn nun? Entscheidet euch mal für eine Lügengeschichte, bitte. Natürlich glauben wir denen kein Wort und gehen den Rundweg einfach doch. Wir sind schließlich zu fünft und alle für den Kampf mit Pumas oder Rebellen oder Lügenbaronen vorbereitet.

Gut anderthalb Stunden geht’s über saftig grüne Wiesen, vorbei an einem romantischen Bächlein, Wildblumen hier, Urwald da. Doch irgendwie kickt das alles nicht. Warum? Es ist wie Südtirol – nur in Kolumbien. Und ohne 600-Euro-Flug. Oh je, diese großen Erwartungen – immer größer, weiter und noch bombastischer! Mit dieser übertriebenen Erwartungshaltung geht man eben auch ein gewaltiges Risiko ein. Wieder schließe ich mich den Worten von „Topper“ Harley aus „Hot Shots“ an:

„Was lesen Sie da?“
„Große Erwartungen.“
„Und, wie ist es?“
„Ich hätte mir mehr erwartet.“

 

Immerhin erreichen wir bald den Urwald und laufen über Hängebrücken, das macht Spaß und man hat so ein Gefühl, etwas Neues zu erleben. Auch die Puma-Warnschilder im Wald regen die Dopamin-Ausschüttung im Hirn endlich an. Bis zur Kolibri-Farm schwitzen wir uns ordentlich aus, manch einer (Stumpe, es war Stumpe!) würde am Liebsten umkehren oder eben liegenbleiben. Doch irgendwann sind wir dann oben angekommen. Yeah! Und werden schnurstracks enttäuscht. Eine Hütte mit vielen Touris und zwei bunten Tränken aus Plastik für die Kolibris. Wer zur Hölle will so ein Foto mit diesem Plastikding im Bild? Wohl viele, denn alle Handys sind gezückt und klicken die ganze Zeit. Super. Zeit umzukehren und wenigstens die Wachspalmen anschauen. Die Location könnte für gute Fotos herhalten.

 

Endlich ein Lichtblick, wenn auch ein dramatischer …

Ins Valley gehen wir tatsächlich nur zu dritt, unsere Kameraden mussten den Heimweg antreten, ein Sportlehrer und ein ansonsten – gemäß Selbstaussagen superfitter – Stumpe hatten einfach keine Power mehr, vielleicht war’s auch die Lust. Fehler! Das Valley mit den Wachspalmen war stark. Optisch echt krass, weil man sowas eben noch nie gesehen hat. Der Himmel tat sein Übriges, es zogen nämlich dramaturgisch gut ins Bild passende Wolken auf – gut für die Fotos, gut für uns. Denn wir waren schon recht platt. Also nochmals eine kleine, feine Wanderung und endlich ein paar gute Bilder im Kasten. Doch nun war’s auch bei uns soweit, sich erneut auf die gegrillte Dorade zu freuen.

 

Echte Cowboys und eine dicke Lippe

Am nächsten Tag stand die Abreise nach Medellín an, jedoch mit dem Nachtbus, daher war der Plan, noch eine Kaffeeplantage zu besuchen. Macht man hier halt so. Man kann gemütlich direkt von Salento aus loslaufen und ganz bequem auf einer Plantage eintreffen und einen Kaffee genießen. Oder man macht es wie wir: Wir satteln die Pferde! Haben wir zwar noch nie wirklich gemacht, aber die spanischen Erklärungen vom Chef haben wir uns angehört. Verstanden haben wir zwar nichts, aber hat sich alles ganz gechillt angehört. Nach gut 20 Minuten sind wir dann angekommen und waren natürlich die coolsten Sheriffs weit und breit. Ein Problem machten uns die Regenwolken am Himmel. Gerade als die Tour losging, schüttete es so richtig runter. Regenjacke und Regenhose an, machte uns das nicht viel aus, richtig spannend war’s ja nun auch nicht. Übrigens, mit einem richtigen Kaffee hat das hier sowieso nichts zu tun. Wer so einen will, muss nach Italien oder in ausgewählte Kaffeeläden wie hier in München (Baresta).

Da wegen des Regens die Touriroute zum Wasserfall nicht zu erreichen war (Überschwemmung), blieb uns nichts anderes übrig, als eine geheime Route durch den Urwald zurück zu nehmen. Naja, dachten wir erst, aber es stellte sich heraus, dass diese Route mitten durch den Urwald, fernab von üblichen Wegen und Routen, eines unserer Highlights des Urlaubs werden sollten! Mit Ponchos an sahen wir aus wie die Nazgûls aus Herr der Ringe, fühlten uns aber eher wie die coolsten Ganoven aller Zeiten. Die Pferde machten, was sie wollten, rannten im Galopp los, man muss ihnen eben blind vertrauen und sie machen lassen. Echte Pferdeflüsterer eben. Es regnete, wir ritten durch wilde Flüsse, hatten Blätter in der Fresse, rissen uns die Beine an den Felsen auf – und hey: Stumpe wurde von einer fiesen, wilden, mindestens 20 Zentimeter großen und ultragiftigen Dschungelwespe (sagt er) in die Lippe gestochen – Abenteuer halt, 100 Prozent! Und das alles in dieser Location! Wahnsinn!

 

Medellín, Netflix und was man für 30.000 Pesos alles bekommt

Angekommen, gut durchgeschwitzt, nach Pferd stinkend, mussten wir schnell unser Gepäck holen und ab zum Bus, der uns zurück nach Armenia bringen sollte, dort dann in den Nachtbus nach Medellín. Ohne zu duschen! Oh je! Aber uns war das herzlichst egal, ein bisschen Dreck muss auch mal sein, dafür haben wir ja ein schickes Hotel gebucht in der einst gefährlichsten Stadt der Welt. Tipp: Kaufe niemals Schlaftabletten an einer Straßenbude, die hauen einen nämlich um!

Morgens um kurz vor 5 Uhr kamen wir an. Mit dem Taxi dann ans Hotel, erstes Problem: Wir konnten natürlich noch nicht einchecken. So dreckig und K.O. wie wir waren, haben wir es uns zum Unmut des Empfangspersonals in der Lobby gemütlich gemacht. Nach einem kleinen Nickerchen kurz ein Frühstück, dann die Free Walking Tour. Natürlich immer noch ohne Dusche. Vier Stunden lang sind wir also durch die Stadt gewandert wie in Walking Dead – und haben echt viel Interessantes gehört. Diese Touren sind echt klasse, man gibt am Schluss halt etwas Kohle dafür, in unserem Falle 30.000 Pesos.

Natürlich war uns Medellín durch Narcos bekannt. Es gibt auch Pablo Escobar Touren. Aber mal ehrlich: Der Typ war ein mieses Drecksschwein und ein Killer, außerdem herrscht regelrechter Hass auf die ganze Narcos-Scheiße in Kolumbien. Die Kolumbianer haben damit abgeschlossen und hoffen jetzt auf eine gute Zukunft, ohne Morde, Korruption und Terror. Wie gut das funktioniert, zeigt gerade diese Stadt. Kein einziges Mal, nicht den ganzen Urlaub über (Ausnahme Cartagena, aber dazu im nächsten Artikel mehr) haben wir uns bedroht oder unwohl gefühlt. Wirklich durchweg eine gute Stimmung, überall Polizei. Doch kurz vor unserem Abstecher in die berüchtigte Gegend der Comuna 13 hatten wir schon ein bisschen Schiss, der Taxifahrer hatte uns gewarnt, kein Foto, Handy drin lassen, aufpassen! Was ist aber dann wirklich dort passiert? Ich habe Leuten meine Kamera gegeben und gebeten, ein Foto von uns als Crew zu machen, alles megalässig und entspannt da oben. Tja, man muss sich immer selbst ein Bild machen und alles mal erleben. Diese Angstmacherei ist unserer Ansicht nach völlig überzogen. Egal ob Medellín, Berlin oder sogar München, wenn du dich naiv und dumm anstellst, kann dir überall was passieren. Aber man sollte aufhören, bestimmte Gegenden zu meiden, weil irgendein Blog darüber schreibt, da er von irgendjemanden gehört hat, der jemanden kannte, etc. Sei einfach lässig, denk’ nach, verhalte dich nicht wie ein Arschloch und du bist save, so gut es eben geht. Sollte soweit klar sein.

 

Es muss nicht immer die Domino Pizza sein, Stumpe!

Was man abends so anstellen kann? Gut essen gehen zum Beispiel! Entweder wie wir gepflegt Fleisch und eben mal etwas andere Küche, oder eben Pizza im Dominos – wie Stumpe. Der Typ trinkt übrigens kein Wasser, nur Bier oder Eistee. Es gibt halt wirklich alles. Danach ein paar Mojitos und los geht’s. Auf der Straße kann man auch so ziemlich alles andere kaufen, ziemlich easy sogar – Gras, Koks, Heroin, Frauen, kostet alles 30.000 Pesos. Einen Tipp haben wir mitgenommen, ein paar Straßen weiter sollte ein Techno Schuppen sein, also nix wie hin. Alles easy an der Tür, innen beste Feierlaune, saucool eingerichtet, mega Musik und hippe Leute. Ein Abend ganz nach unserem Geschmack, natürlich mit viel Tequilla und Mezcal – alles 30.000 Pesos. Das waren an diesem Abend sehr viele 30.000 Pesos für uns, aber hey, Kolumbien und Urlaub halt.

Am nächsten Morgen mussten wir früh raus, es stand ein Inlandsflug an, es ging an die karibische Küste. Doch Moment! Wir haben verschlafen, gnadenlos! Oh fuck, auch noch einen Schädel wie Sau, nix wie los. Wir haben alle sicher etwas an diesem Morgen im Hotel vergessen, aber egal, den Flieger haben wir noch erwischt, es ist halt nicht so bürokratisch wie hier bei uns. Da kann man auch noch schnell durchhuschen. Puh. Erstmal chillen am Strand! In der nächsten und hier letzten Etappe geht es dann nach Cartagena, Santa Marta und Palomino. Esperamos verte!

Ach, was noch zu sagen wäre: Laut Internet ist Guatape DER Tagesausflugsort schlechthin von Medellín aus. Wir waren dort. Wir waren enttäuscht. So sehr, dass wir nicht darauf eingehen und nicht mal ein Foto davon bringen.

 

 

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